Fragen und Antworten zur Arbeitszeitflexibilisierung

In den letzten Jahren wurde viel über die so genannte "Arbeitszeitflexibilisierung" diskutiert. Immer wieder kursierten dazu Gerüchte und Behauptungen. Aber was bedeutet die Änderung des Arbeitszeitgesetzes wirklich für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer? Hier finden Sie die wichtigsten Fragen & Antworten:

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Was ändert sich im Vergleich zur jetzigen Regelung?
  • In Zukunft kann man Tage- oder Wochenweise länger arbeiten, dafür hat man auch Tage- und Wochenweise länger frei. 
  • Dadurch wird etwa die 4-Tage-Woche möglich.
  • Im Detail heißt das: Man kann bis zu 12 Stunden pro Tag arbeiten und bis zu 60 Stunden pro Woche arbeiten

Das wird eingeschränkt durch:

  • Die Freiwilligkeit ist wesentlich! Die 11. und 12. Stunde kann ohne Angabe von Gründen abgelehnt werden.
  • Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit darf im Zeitraum von 17 Wochen nicht 48 Stunden überschreiten.
  • Eine Ausnahme von der Wochenend- und Feiertagsruhe darf maximal vier Mal im Jahr angewendet werden (nicht an vier aufeinanderfolgenden Wochenenden).
Welche Vorteile bringt die Arbeitszeitflexibilisierung?
  • Die Maßnahme ist für alle eine Win-Win-Situation.
  • Mit der 4-Tage-Woche werden die Arbeitszeitregelungen an die heutigen Bedürfnisse angepasst.

Vorteile für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer:

  • Mehr Flexibilität und Freiheit bei der Freizeitgestaltung
  • Mehr Freiheiten für Pendler 
  • Leichtere Möglichkeit zum verlängerten Wochenende
  • Bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf 

Vorteile für Unternehmer:

  • Spitzenzeiten können personell leichter abgedeckt werden
  • Die Wettbewerbsfähigkeit wird gestärkt
  • Arbeitsplätze werden gesichert
Muss ich wegen der Arbeitszeitflexibilisierung insgesamt mehr arbeiten?
  • Nein, der 8-Stunden-Tag bleibt gesetzliche Normalarbeitszeit. 
  • Auch die 40-Stunde-Woche bleibt die Norm.
Können Arbeitnehmer uneingeschränkt zu Überstunden gezwungen werden?
  • Nein! Wer freiwillig mehr arbeiten möchte, wird das in Zukunft können und somit entweder mehr Freizeit oder mehr Geld bekommen. Die Betonung liegt dabei auf Können und nicht auf Müssen!
  • Die Freiwilligkeit ist wesentlich!
Steige ich durch die Arbeitszeitflexibilisierung finanziell schlechter aus?
  • Nein, jede Überstunde wird auch weiterhin bezahlt. 
Bekomme ich Zuschläge für meine Mehrarbeit?
  • Ja, bei den Überstundenzuschlägen wird es zu keinen Änderungen kommen.
Wird mein Vertrag nun neu ausverhandelt?
  •  Nein, Kollektivvertragliche Regelungen der Normalarbeitszeit bleiben unverändert in Kraft.
Entfallen durch die Arbeitszeitflexibilisierung Gleitzeitzuschläge?
  • Nein, bei der Gleitzeit fallen künftig unverändert Überstunden an, wenn auf Anweisung mehr als 8 Stunden gearbeitet wird.
  • Auch bei der Gleitzeit bleiben die Zuschläge am Ende einer Gleitzeitperiode erhalten. 
Wird Österreich durch die Neuregelung zum „Spitzenreiter“ bei Arbeitszeiten?
  • Nein, es geht darum, sich am EU-Schnitt zu orientieren.
  • Durch die Neuregelung liegt Österreich weiterhin im EU-Schnitt und kann zu Ländern wie den Niederlanden aufschließen.
  • In Schweden und Dänemark ist das gesetzlich erlaubte wöchentliche Arbeitspensum sogar noch höher.
Warum wird der Antrag auf Arbeitszeitflexibilisierung ohne parlamentarische Begutachtung gestellt?
  • Richtig ist, die Regierungsparteien wollten einen Antrag auf Begutachtung sicherstellen. 
  • Es war die Opposition, die den Antrag verhindert hat. 
Wie sieht der Zeitplan aus?
  • Der Vorschlag wurde intensiv und genau ausgearbeitet.
  • Am 14. Juni wurde der Initiativantrag gestellt.
  • Es folgt eine umfassende Begutachtung im Parlament.
  • Beschlussfassung im Nationalrat im Juli
  • Inkrafttreten: mit 1. September 2018
 

Was heißt das in der Praxis: Beispiele. 

Gastronomie

Ein Kellner und ein Koch arbeiten an zwei Samstagen bei einer Hochzeit in einem Gasthaus je zweimal 11 Stunden:

  • Die 9. Stunde wird durchgerechnet
  • Die 10. und 11. Stunde sind jeweils Überstunden mit 50 Prozent Zuschlag

Dadurch entsteht ein Zeitguthaben von 8 Stunden 

  • 2 Stunden Normaltarif 
  • 4 Überstunden mit Zuschlag (+ 2 Stunden)

Dafür bekommen sie einen Tag frei.

Installateur

Muss ein Ersatzteil beschaffen und braucht daher am Donnerstag 11 Stunden.

  • Die 9. Stunde wird durchgerechnet
  • Die 10. und 11. Stunde sind jeweils Überstunden mit 50 Prozent Zuschlag

Es entsteht ein Zeitguthaben von 4 Stunden 

  • 1 Stunde Normaltarif
  • 2 Überstunden mit Zuschlag (+ 1 Stunde)

Am Freitag danach geht er dafür um 12.00 Uhr nach Hause.


› Die Maßnahmen im Detail 

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